Silkes Lesermeinung zur Alkoholsucht.
Als du Deine
Kindheit beschrieben hattest, ist mir eines sofort aufgefallen: der
ungeheure Erwartungsdruck, der auf Dir lastete, indem Du ja selbst
feststellst, dass Du im wesentlichen damit beschäftigt warst, es allen
Recht zu machen. Das das kaum möglich ist, das sehe ich so. Vielmehr
noch geht die eigene Persönlichkeit in diesem Bestreben unter.
Ständiges Verbiegen und Anpassen führt aus meiner Sicht zu einer
gröblichen Vernachlässigung der eigenen Gefühlswelt. Darin sehe ich
die Ursache für meine bis heute noch reichenden Probleme. Mein
Suchttherapeut aus der Drogenberatungsstelle (die Ärzte fand ich wenig
hilfreich, ausgenommen meine Hausärztin) schätzte erst im Frühjahr
diesen Jahres ein, dass ich dringend eine Traumtherapie antreten
solle. Auch bei mir hatte meiner Mutter mich mit Erwartungsdruck und
Überforderung in die Zange genommen. Seelische Misshandlungen, neben
körperlichen Demütigungen zählten zu ihren Erziehungspraktiken, sie
duldete sogar sexuellen Missbrauch durch meinen Opa, ihrem
Schwiegervater. Dieser Mann hatte zu DDR-Zeiten einen grossen Einfluss
auf Partei und Staat und half meine Mutter in Positionen und Ämter zu
gelangen, die für sie unglaublich wichtig waren. Das Ende vom Lied
war, dass er dafür "seine Gegenleistung" brauchte und da mußte ich ihn
regelmässig besuchen ...
Das alles ist so ungeheuerlich, so furchtbar und so ekelerregend, dass
ich noch heute damit zu kämpfen habe. Leider habe ich meine
Gefühlswelt seit Kindertagen nie richtig kennen lernen dürfen, denn
ich habe beizeiten eine Maske aufgesetzt, die nach aussen ein "Bitte
recht freundlich" erkennen lies, darunter sah es grausig aus:
depressiv, gequält und nahezu emotionslos. Diese Maske lerne ich
gegenwärtig abzusetzen, das ist gar nicht mal so leicht. Ich habe
gegenwärtig ein zweites Buch zu diesem ganzen Thema in Arbeit, mit dem
Verlegen lasse ich mir aber noch ganz viel Zeit. Traumbewältigung ist
ungleich schwerer, als trocken zu werden, das hätte ich nie erwartet.
Sucht hat nach meiner Überzeugung auch mit Suchen zu tun. Warst Du
nicht auch auf der Suche und wenn ja, bist Du eigentlich angekommen?
Hast Du für Dich die Ursachen für Deine Alkoholkrankheit konkret
gefunden? Wie hast Du sie bewältigt? Welche Erfahrungen hast Du aus
Deiner Selbsthilfearbeit damit, ich meine mit dem Ursachenspektrum für
die Suchterkrankung Alkoholismus?
Ich würde mich sehr freuen, wenn es Dir gelänge, mir einige
Erfahrungen
zu schreiben, wenn Du magst bzw. Du darüber schreiben möchtest.
| Tipp: Bei der Partnersuche
ist es oft schwer, den richtigen Partner zu finden. Ob es
dabei um die gleichen Interessen, um die Glaubensrichtung oder
um einen einen nichttrinkenden Partner für einen trockenen
Alkoholiker geht, die Suche nach einem gleichgesinnten Partner
wird immer schwieriger. Wenn es ihnen auch so geht, hier ist
eine Partnersuche nach den Kriterien der christliche Partnersuche - christliche Singles.
Mitunter hilft bei manchen Menschen auch eine Hypnose. Eine Hypnose lernen
oder anwenden, sollte aber auch eventuell ärztlich
abgesprochen werden.
Bei der Suche nach der richtigen Hilfe ist es wichtig, sich alle Hilfe zu suchen, die man bekommen kann. Dabei kann es sich um Psychologen und Therapeuten, Ärzte und sonstige Heiler handeln, die eventuelle Hilfe bei der Suchtbewältigung anbieten können. Bei Eheproblemen kann auch eine Eheberatung helfen. |
Fortsetzung
Hallo Karsten,
ich danke Dir für Deine netten Zeilen.
Dass die Schulmedizin nicht gerade zimperlich und manchmal auch wenig
hilfreich ist, das habe ich auch eigenen Leib erfahren. Ich dachte,
dass ich mit den Folgen meiner Traumatisierung in einer psychiatrischen
Tagesklinik Hilfe bekomme. Zwar konnten sie mich insgesamt etwas
stabilisieren, den Löwenanteil an meinem gebesserten Befinden habe ich
allerdings selbst geleistet, das sage ich mal so. Neulich gab mir
meine Hausärztin den zusammenfassenden Abschlussbrief dieser
psychiatrischen Tagesklinik. Als ich ihn las, verschlug es mir fast
die Sprache, sie verharmlosten insgesamt das mir angetane Leid, nicht
gerade zuträglich für meine Gefühlswelt und mein Selbstwertgefühl. Die
Psychiatrie nach dem Lehrbeispiel von Sigmund Freud wird vielerorts
heute noch eingesetzt und das kann sich durchaus nachteilig für den
Patienten auswirken. Sigmund Freud selbst hat früher klargestellt, dass
Missbrauch eine schwerwiegende Traumatisierung nach sich zieht und
diese Narben der Gewalt für immer sichtbar sind. Als er aber daraufhin
nach dem Motto "Es kann nicht sein, was nicht sein darf, auch zu
damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen, mächtigen Ärger bekam, da
widerrief er seine Aussage und mit einem Male waren die gerade noch
schwer verletzten Menschen Histrioniker, die alles überbewerten und
hysterisch sind. Nun sind es Persönlichkeitsgestörte, die alles tun,
um mit ihrer "Story" in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu kommen. So
ist es dort auch mir geschehen, das wirkt wie ein Schlag ins Gesicht
und ist eine Geringschätzung bis hin zur erneuten Traumatisierung. Aus
diesem Grund würde ich auf psychiatrischem Gebiet eher Vertretern der
Kirche, Selbsthilfegruppen usw. folgen, als der Schulmedizin. Alice
Miller ist eine Buchautorin und Psychologin. Von ihr habe ich einige
Bücher gelesen und gebe ihr vollkommen Recht: Sie hat die Behauptung
aufgestellt, dass viele Psychologen und Therapeuten, Ärzte und sonstige
Heiler die Allmacht der Eltern so hoch hängen, dass in Demut und
Respekt vor ihnen solche schwerwiegenden Verletzungen verdrängt werden
und sei es auf dem Rücken der Patienten. Sie entgehen somit ihren
eigenen scheinbar längst vergessenen Erfahrungen mit ihren Eltern, sie
reden die Schläge und die Erniedrigungen zum Teil noch schön. Sie
machen für ihren Erfolg die kompromisslos harte Erziehung ihrer Eltern
zuständig, sie haben sich somit ihre Welt zurechtgelegt. Dieses
Verdrängen erzeugt Wut und Aggression, das sich in Machtspielen und
ähnlichen Verhaltensweisen auslebt und wiederum andere Menschen
tiefgreifend kränkt. Tun sie das nicht, geben also nicht ihre
erfahrene Gewalt wieder weiter, fressen sie ihre Wut hinunter und
diese Gewalt kann sich auch gegen den eigenen Körper richten.
Alkoholsucht und Drogenabhä?ngigkeit sind selbstschädigende Verhalten,
die meistens aus eben diesem Grund passieren, nur wird sich dann eben die Welt schön getrunken oder "gedrückt" usw. Diesen Ausflug in meine
Seelenwelt musste ich noch mal machen, weil ich Deine Aussage, dass die
Schulmedizin mit ihrer Art und Weise der Behandlung und Therapie
manchmal noch mehr schadet. Du hast sicher Recht, in dem Du
feststellst, dass es wichtiger und richtiger ist, im Hier und Jetzt zu
leben, als dem psychiatrischen Grundsatz zu folgen, dass eine Rehtraumatisierung
notwendig ist, um das Trauma zu bewältigen. Aus
diesem Grund ist es eben wichtig, sich über das trockene Leben zu
freuen, eine Rehtraumatisierung kann eher depressiv machen und birgt
eine gewisse Rückfallgefahr in sich. Es ist ein Drahtseilakt zwischen
Verdrängen und Wissen - dort die Grenzlinie zu ziehen ist sicher nicht
ganz einfach.
Nach meiner Überzeugung haben sehr viele Menschen, die Suchtkranken
von heute, Traumen von gestern. Ich finde die Diskussion, die Du über
Dein Forum anstrebst, ganz interessant, bin gespannt, was andere
Menschen dazu zu sagen haben.
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