Skip to main content.

Meine Überheblichkeit in der Alkoholsucht"

Als ich dann auf die Suchtstation kam, waren dort noch ca. 30 andere Suchtkranke Alkoholiker. Ich wurde auf ein Zweibettzimmer gelegt. Mein Zimmernachbar hatte den Entzug schon hinter sich, ich noch nicht. Da die Medikamente jetzt langsam verringert wurden, merkte ich meinen schwachen Kreislauf. Ich konnte die nächsten Tage kaum körperlich schwere Dinge tun. Selbst der Abwaschdienst, zu dem ich eingeteilt wurde, machte mir zu schaffen.

In den Gespr&aumL,chsgruppen, die wir zweimal am Tag hatten, musste ich auch über mich erzählen. Viel brachte ich am Anfang nicht raus. Jetzt wo mir der Alkohol fehlte, konnte ich nicht richtig frei vor fremden Menschen reden und schon gar nicht über mich. Aber wie das meist so ist, war ich nach kurzer Zeit auch dazu bereit und die Gruppe erfuhr von meiner Spielleidenschaft, die ich zu meiner Alkoholsucht auch noch hatte. Die Psychologen und auch einige Gruppenmitglieder machten mir deutlich, dass ich mein Leben neu gestalten muss und meine alten Gewohnheiten lassen sollte.

Ich war überzeugt davon, dass ich alles im Griff habe. Ich brauchte ja nur weniger zu trinken und dann würde es schon gehen.

Heute weiss ich, wie recht sie alle hatten.

Die letzte Woche der Entziehungskur sass ich auch schon wieder mit anderen, die den Entzug nicht so ernst nahmen und spielte mit ihnen Karten. Wir sassen zwar mit Kaffee oder Brause, aber sonst fehlte an der Kneipenatmosphäre nichts.

Nach den Wochen des Krankenaufenthaltes zog ich in eine kleine Wohngemeinschaft für Alkoholkranke. Dort durfte man auch nichts trinken. Dort machte ich auch einige Sozialstunden, die vom Sozialamt bezahlt wurden, welches auch die Kosten für die Unterkunft übernahm. Meine Aufgabe war es in den Stunden, wo das Büro geschlossen war, als Ansprechpartner für die anderen Bewohner zu wirken. Durch dieses, doch für meine Verhältnisse sehr grosses Vertrauen, wurde mein Selbstwertgefühl auch ohne Alkohol gehoben.
 

weiter....

   

Viele Alkoholiker können nicht über sich und ihre Gefühle sprechen. Es füllt ihnen schwer mit anderen Menschen über ihre Schwächen zu reden. Lange Zeit haben sie sich unter Alkoholeinfluss sicher gefühlt und hatten auch Selbstvertrauen.

Dieses Selbstvertrauen ist nun völlig zusammen gebrochen, weil sie sich eingestehen müsen, das sie mit Alkohol nicht umgehen können, wie andere Menschen. Das stets hilfreiche Mittel ist nun weg und sie müssen lernen, mit den Gefühlen nun in der Realität zu leben.

Hinzukommen die Schuldgefühle, die sie selbst gegenüber anderen trockenen Alkoholikern haben. Das was sie jahrelang gemacht haben, empfinden sie nun als Schande.

Ein Alkoholiker muss lernen sich über seine Gefühle im klaren zu sein und darüber offen und ehrlich zu reden.

Die Gefahr der Selbstüberschätzung und Übermotivation bringt viele dazu, den Versuch zu unternehmen, andere noch nassen Alkoholikern, zu einem trockenen Leben zu motivieren.

Selbstüberschätzung und Übermotivation schaden !