Die ersten Schritte bei Alkoholprobleme
1994
war der Anfang eines neuen Lebens. Leider dauerten meine ersten
Schritte noch viele Jahre. Das ich trotzdem vom Anfang rede, hängt
damit zusammen, dass es ein Ereignis gab, was meine Lebenseinstellung
veränderte.
Ich lebte damals in einem Obdachlosenwohnheim und verbrachte meine
Zeit damit, meinen Alkoholkonsum durch Gelegenheitsarbeiten und
Kartenspielen zu finanzieren. Manchmal hatte ich kein Geld mehr und
lag zitternd in meinem Bett und wartete darauf, dass mir jemand Alkohol
brachte. Dabei dachte ich viel nach und wollte wie so oft schon, in
den letzten Jahren, mein Leben verändern. Aber kaum hatte ich wieder
eine Flasche Schnaps in den Händen, waren alle guten Vorsätze
verschwunden.
Als ich wieder einmal so auf meinem Bett lag, kam ein anderer
Mitbewohner des Obdachlosenheimes und stellte eine Flasche auf den
Tisch. Als er das Zimmer wieder verliess, soff ich die ganze Flasche in
schnellen Zügen aus. Nach seiner Rückkehr war er sehr sauer und wir
schlugen uns. Er brauchte den Alkohol schon genau so wie ich und ich
hatte ihm alles weg gesoffen. Nach dieser Schlägerei musste ich in ein
Krankenhaus, weil ich eine Platzwunde hatte.
Nachdem ich auf der Station angekommen war, behandelten mich die Ärzte
und Schwestern wie man eben einen Besoffenen behandelt. Sie haben so
was sicher schon oft erlebt, wenn sich zwei unter Alkoholeinfluss
schlugen. Weil sie mir nach dem Nähen der Wunde ein Schmerzmittel
gegeben haben, schlief ich schnell ein.
Die Einsicht, das mit seinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt, kommt meist sehr spät. Auch wenn man im Unterbewusstsein spürt, dass etwas nicht, kann und möchte man es sich nicht eingestehen.
Gerade die Frage, ob man nun Alkoholiker ist oder nicht, macht eine erfolgreiche Entwöhnung vom Alkohol sehr schwer. Auch nach einer körperlichen Entgiftung ist die Gefahr nicht gebannt, weil die Zweifel, ob man nicht doch kontrolliert trinken kann, immer wieder aufkommen.
Eine Chance zur erfolgreichen Entwöhnung vom Alkohol ist nur durch vollständige Veränderung der Lebensumstände und des Lebensumfeldes möglich.
Tipp: Selbstdiagnose von Krankheiten kann im ersten Moment helfen. Für eine fundierte Diagnose sollte aber immer ein Arzt aufgesucht werden.