Der Auszug aus der Gemeinschaft
Jetzt
guten Mutes, ich hatte ja jetzt schon ein halbes Jahr nicht getrunken,
suchte ich mir eine Wohnung. Als es bekannt wurde, das ich wieder ein
eigenständiges Leben führen wollte, rieten mir die Heimleiter davon
ab. Es wäre noch zu früh, ich kann das noch nicht schaffen und lauter
solche Dinge.
Ich weiss heute nicht mehr so genau, ob ich aus trotz oder aus Übermut
doch eine eigene Wohnung genommen habe, wahrscheinlich beides
zusammen. Meine neue Wohnung lag auch nicht weit entfernt.
Ich bekam jegliche Unterstützung, die ich brauchte. Mir wurde vom
Sozialamt die Wohnung eingerichtet, die Heimleitung half mir bei dem
Transport und bot sich auch weiterhin als Gesprächspartner, für meine
Probleme auf dem neuen Weg, an.
Da mein jetzt übersteigertes Selbstvertrauen so mächtig war, schlug
ich alle Hilfe in den Wind. Die ersten Wochen ging ich zwar ab und zu
noch hin, aber nicht um mir Hilfe zu holen, sondern nur um Ihnen zu
zeigen, wie ich alles im Griff hatte. Ich wollte jeden beweisen, dass
ich es geschafft hatte. Geglaubt hatte es nur ich selbst. Alle die
etwas von der Alkoholsucht verstanden, sahen in meinem Verhalten schon
meinen Rückfall, ich natürlich nicht.
Was ich aber tat, ich ging in eine Selbsthilfegruppe der Anonymen
Alkoholiker. Dort befreundete ich mich mit einem ebenfalls erst kurze
Zeit trockenen Alkoholiker an. Da wir beide keine Arbeit hatte,
verbrachten wir den Tag oft zusammen und gingen stolz in irgendwelche
Kaffees und tranken dort alkoholfreie Getränke. Beide waren wir der
Überzeugung, uns kann nichts mehr passieren.
Mein eigener Erfolgsdrang brachte mich dazu, mir eine Arbeit zu
suchen. Ich hatte auch keine grosse Mühe damit und fand einen
Arbeitsplatz in einer kleinen Firma. Die Bezahlung war gut, ich war
weiter trocken und ich konnte sogar einige meiner Schulden bezahlen,
die ich während des Trinkens gemacht hatte. Das Leben war so schön.
.
Wenn man am Anfang seiner Trockenheit steht, ist man sehr motiviert und möchte die ganze Welt an seinem neuen Leben teilhaben lassen. Keine Gelegenheit wird ausgelassen und jedem erzählt, wie lange man schon nicht mehr getrunken hat und wie schön doch das neu gewonnene Leben ist.
Am Anfang ist noch alles neu und der Betroffene hat sehr schnell Erfolge in seinem nüchternen Leben.
Die Realität sieht aber anders aus. Nicht jeder kann die Freude teilen und verstehen, was der trockene Alkoholiker nun so Grosses für sich getan hat.
Die ersten Enttäuschungen und Misserfolge kommen.
Aber auch die schnellen Erfolge können zur Gefahr werden, wenn sich die Normalität einstellt.
Man muss sich immer wieder neue, aber auch realistische Ziele stellen, um nicht in neue Gewohnheit zu verfallen.