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Der Absturz bzw. Rückfall

Meine schlimmste und extremste Zeit begann, als ich meine Lehre anfing.

Noch lebte ich bei meiner Mutter und ihrem neuen Mann. Sie machten mir jetzt schon fast jeden Tag Vorwürfe, weil ich zuviel trank und meine ganze Zeit in den Kneipen verbrachte. Ich ging den Gesprächen aus dem Weg und versuchte erst dann nach Hause zu gehen, wenn sie schon schliefen oder blieb bei meiner Schwester. Bei meinem Schwager fühlte ich mich mehr zu Hause. Er war einige Jahre älter als ich und hatte, bevor er meine Schwester heiratete, das von mir ersehnte Leben geführt. Wenn ich mit ihm in seine Stammkneipe ging, begrüsste uns der Wirt und seine Freunde. Ich fühlte mich dazugehörig und sie störten sich auch nicht an meinem jungen Alter.

Nicht das ich zu Hause nicht trotzdem gut gehabt habe, aber diese scheinbare Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wollte ich auch.

Auch wenn mich mein damaliger Mathelehrer und die Schule versuchte, mich zu einem Lehrerstudium zu bewegen, schaffte ich es, meinen Willen durchzusetzen. Ich bewarb mich für eine Elektrikerausbildung, in einer Stadt, die weit von meiner Heimatstadt entfernt war. Nachdem ich alle Formalitäten erledigt hatte und meinen Ausbildungsvertrag in der Hand hatte, konnte ich weit weg von meiner Mutter und den unangenehmen Gesprächen über Alkohol, ein Zimmer in einem Lehrlingswohnheim beziehen.

Da ich nun alles hinter mir gelassen hatte, vor allem auch meine Probleme, versuchte ich mir einzureden, dass ich jetzt von vorne beginnen konnte. Ich weiss nicht mehr so genau, ob ich es damals schon wirklich geahnt hatte, aber aus heutiger Sicht, war es nur eine Flucht, nicht vor vor meiner Mutter, sondern eher vor mir selbst.

Der Neuanfang dauerte nicht lange. Als wären meine Kneipenbekanntschaften mit in die neue Stadt gezogen, sass ich nach einigen Wochen, wieder in einer Kneipe und spielte Karten. Ich besserte mir damit mein knappes Lehrlingsgeld auf und konnte mich damit vor mir selbst entschuldigen. Aber um so mehr ich mir an manchen Abenden auch selbst mein zu vieles trinken eingestand, um so mehr versuchte ich es mit noch mehr Alkohol zu verdrängen. Ich machte genau dort weiter, wo ich zu Hause aufgehört hatte.

   

Alkoholsucht ist eine sich einschleichende Krankheit, die nicht von heute auf morgen kommt. Auch der Betroffene bekommt es nicht sofort mit, meistens erst, wenn es schon zu spät ist und der Alkoholkonsum schon eine dominierende Rolle in seinem Leben spielt.

Die Gewohnheit. jeden Tag oder sehr regelmässig Alkohol zu trinken, wird nicht als Krankheit wahrgenommen.

Das Gegenteil ist der Fall. Der Betroffene fühlt sich noch gut dabei, hat er doch nun einen "Freund" gefunden, der ihm in jeder Situation "hilft". Er benutzt den Alkohol nun gezielt, um seine Gefühle zu steuern.

Im Unterbewusstsein wird das ungewöhnliche Trinkverhalten manchmal wahrgenommen aber verdrängt.

Gespräche über das Thema Alkohol werden vermieden. Sollte ein Ausweichen nicht möglich sein, wird auf den stärkeren Alkoholkonsum anderer Menschen hingewiesen, um sein eigenes Trinkverhalten zu verharmlosen. Direkte Anspielungen auf eine Abhängigkeit wird sehr oft mit Aggressivität beantwortet.